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Ausführlicher Text über Schloss Stolzenfels

 

Südlich von Koblenz thront auf dem Berg über dem kleinen Ort Kapellen-Stolzenfels frisch renoviert und weithin sichtbar Schloss Stolzenfels, quasi der Inbegriff der Rheinromantik.


Burg Stolzenfels wurde vom Trierer Erzbischof Arnold von Isenburg (1242–1259) gegenüber der Lahnmündung gegründet, am Schnittpunkt von Kurtrier, Kurpfalz, Kurmainz und Kurköln. Bis 1412 wurde hier der Koblenzer Rheinzoll erhoben.

Durch Erzbischof Werner von Falkenstein im 14. Jahrhundert erweitert, diente sie als Sitz des kurtrierischen Amtes Koblenz. 1632 durch die Schweden besetzt, 1634 und 1646 durch die Franzosen, wurde sie im Gefolge des Pfälzischen Erbfolgekrieges 1689 bei einer erneuten Belagerung durch die Franzosen zerstört.

Durch Napoleons Niederlage kam die Stadt Koblenz in den Besitz der Ruine und schenkte sie dem preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm. Dieser »Romantiker auf dem Königsthron« nahm das Geschenk allerdings erst nach einigem Zögern 1823 an, nach einer eingehenden Besichtigung dann beauftragte er seinen Architekten Karl Friedrich Schinkel mit dem zeitgemäßen Wiederaufbau, der aber alle erhaltenen Elemente bewahrend einbinden sollte.

1836 endlich begannen die Arbeiten nach Schinkels Plänen, nach dessen Tod im Jahre 1841 übernahm der nicht minder bedeutende Friedrich August Stüler die Leitung. 1842 konnte mit einem prächtigen Kostümball Einweihung gefeiert werden, obwohl die Arbeiten im Inneren noch gut zehn Jahre weiter gingen.

Schon ab dieser Zeit war das Schloss für die Öffentlichkeit zu besichtigen.

Stolzenfels ist, wenn man so will, ein strategischer Bau anderer Ordnung. Koblenz erhoffte sich durch die Schenkung das Wohlwollen des späteren Königs, der wiederum zeigte durch den Wiedraufbau der überwiegend katholischen und gar nicht gerne preussischen Rheinprovinz seine Wertschätzung.

Immer wieder mit hohem Aufwand restauriert und gepflegt ist Schloss Stolzenfels auch heute noch ein Besuchermagnet. Besonders bei Hochzeitspaaren ist die Schlosskapelle begehrt.

Von Kapellen, heute übrigens ein Stadtteil von Koblenz, kann man Schloss Stolzenfels über einen Serpentinenweg gut zu Fuß erreichen. Dabei lohnt die durch den Architekten Johann Claudius von Lassaulx im Jahre 1826 in klassizistisch-neuromanischem Stil errichtete Pfarrkirche einen Blick.

Die Schlossanlage gliedert sich in drei Burghöfe. Der Äußere bietet eine Aussichtsterrasse mit einem weiten Blick in das Rheintal. Den inneren Hof betritt man durch das erhaltene, mittelalterliche Burgtor. Er hat in seiner Gestaltung mit Säulen und Pergolagarten etwas Mediterranes, angepasst an die Verwendung als Sommerresidenz. Auf der linken Seite befindet sich der fünf-seitige Bergfried, erbaut 1248, rechts die Wohnräume und der Palas.

Nun kommt das Stolzenfelser Ritual. Man schlüpft in große Filzpantoffel, und nicht nur den Kindern macht es Spaß, so gerüstet durch die Räume zu schlurfen. Die Erwachsenen haben immerhin die Ausrede, so das wertvolle Parkett zu schonen.

Die Innenräume bilden eine Art romantisches Gesamtkunstwerk. Zum einen ist das Ensemble aus neugotischen Möbeln ein wunderbar geschlossen erhaltenes Beispiel königlicher Wohnkultur des 19. Jahrhunderts, zum anderen werden aber auch wertvolle historische Stücke präsentiert, so eine beeindruckende Sammlung von Trinkgefäßen und Waffen im Großen Rittersaal. In seinem kleinen Pendant verherrlichen die historisierenden Wandgemälde von Hermann Stilke die ritterlichen Tugenden. Die schon erwähnte, nach Stülers Entwürfen im Jahre 1847 erbaute Schloßkapelle wurde von Ernst Deger im nazarenischen Stil ausgemalt. Man beachte die gusseiserne Treppe, ein schönes Beispiel rheinischen Eisenkunstgusses. Das Obergeschoss gewährt Zutritt zu den Privaträumen des Königs und der Königin mit ihrer reichen Ausstattung und wertvollen Gemälden. Immer wieder begegnet man der Farbkombination weiß-blau. Erraten, die Gemahlin Friedrich Wilhelms IV., Elisabeth, entstammte dem Hause Wittelsbach.

Eine kuriose Mischung also, dieses Schloss, Abbild eines idealisierten Mittelalters mit dem modernen Komfort des 19. Jahrhunderts und einem Quäntchen Mittelmeer. Aber, unbestreitbar, von zauberhaftem Charme.
À propos Sommerresidenz: das Schloss war nicht beheizbar. Die kalte Jahreszeit verbrachte man lieber im Koblenzer Residenzschloss. Überhaupt weilte der König nur sehr wenig Zeit in seinem Stein gewordenen Traum vom Mittelalter. So wurde Stolzenfels mehr und mehr zum Gästehaus (1845 konnte man Queen Victoria begrüßen, im Rittersaal fand ihr zu Ehren ein Konzert mit den gefeierten Größen Franz Liszt und Jenny Lind statt) und, eben, zum Museum.


 

Öffnungszeiten


Von April bis September von 9 bis 13 Uhr und von 14 bis 18 Uhr,

von Oktober bis März von 9 bis 13 Uhr und von 14 bis 17 Uhr.

Letzter Einlass 45 Minuten vor Schließung.


Im Dezember und am 1. Werktag jeder Woche geschlossen.


 

Info

Schloss Stolzenfels


56075 Koblenz, Tel. 0261/51656.


 

Textfassung aus "Der romantische Rhein" von Thomas Krämer, © Rhein-Mosel-Verlag


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