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Niederheimbach

 

Das Weinbau- und Rheinschifferdorf Niederheimbach lohnt nicht nur wegen seiner herrlichen landschaftlichen Lage am Ausgang des Heimbachtales oder der bedeutenden Burgen einen Besuch, es hat auch selbst eine Menge Sehenswürdigkeiten zu bieten.

Der Ort gehörte der Abtei Kornelimünster bei Aachen, was die Burgendichte erklärt. Neben dem Weinbau lebte Niederheimbach vor allem von der Rheinschifffahrt. Jedes Schiff auf der damals klippenreichen und gefährlichen Fahrt nach Bingen nahm hier einen Lotsen an Bord, ein einträglicher Erwerbszweig für die Bevölkerung. Die Nähe zur Kurpfalz machte eine eigene Ortsbefestigung nötig. Deren Reste sind längs des Bachufers noch zu sehen. Der historische Ortskern enthält malerische Fachwerkhäuser, deren Ursprung teils bis ins 16. Jahrhundert zurück reicht. An der Rheinstraße liegt auch die Pfarrkirche St. Mariae Himmelfahrt, deren heutige Gestalt sich den Umbauten Anfang des 20. Jahrhunderts verdankt, deren romanischer Chorturm aber aus dem 13. Jahrhundert stammt. Die gotische Seitenkapelle, zum Eingang umfunktioniert, stammt aus dem 14. Jahrhundert, die Sakristei aus dem Jahre 1516. Der Chor ist barock. Auch die Ausstattung ist nicht uninteressant.

Gut zwei Kilometer das Heimbachtal aufwärts liegt die Weinbaugemeinde Oberheimbach, 1050 erstmals urkundlich erwähnt. Auch dieser Ort hat historisch und kunstgeschichtlich interessante Gebäude, so den Lamberger Hof aus dem Jahre 1617, die katholische Pfarrkirche und die St. Michaelskapelle aus dem Jahr 1575, so wie das Pfarrhaus von 1680, die Heiligkreuzkapelle und eine am Heimbach liegende Wassermühle.
Im Rhein liegt die Doppelinsel Lorcher Werth. Eine Rheinfähre verkehrt zwischen Niederheimbach und Lorch.
 Burg Sooneck am Steilhang des Soonwaldes war mit Burg Reichenstein als Raubritternest bekannt. Unter dem Namen »Saneck« wurde sie wohl im 11. Jahrhundert erbaut, sie war mit Reichenstein im Besitz der Abtei Kornelimünster, weit weg, weit genug zumindest für die Vögte, auch hier ab 1213 die Ritter von Bolanden und ab 1241 Philipp von Hohenfels. Sie erhoben unrechtmäßige Rheinzölle und plünderten munter Vorbeiziehende aus. So wird auch Sooneck vom Rheinischen Städtebund 1254 geschleift, wieder aufgebaut und 1282 von Rudolf von Habsburg erobert und zerstört, der Vogt, ein Waldeck, geköpft. Auch Sooneck ging nicht an die Pfalzgrafen, sondern 1344 an Mainz.

1349 erfolgte der Wiederaufbau, Lehensträger war wieder die Familie Waldeck. Nachdem im Jahre 1649 die von Waldecks ausstarben wurden die Herren von Breidbach-Bürresheim ihre Nachfolger. Sie erweiterten die Anlage noch, bis auch sie ausstarben und die Burg Sooneck zu verfallen begann. 1689 niedergebrannt, verkaufte das Mainzer Domkapitel 1774 das Gelände an die Gemeinde Niederheimbach. 1834 kaufte Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen die Ruine, gemeinsam mit seinen Brüdern Carl und Albrecht. Eine Jagdburg schwebte ihnen vor, aber erst 1842 begannen die Bauarbeiten. Unterbrochen von der Revolution 1848, Krankheit und Streit, wurde Sooneck erst unter dem späteren Kaiser Wilhelm I. 1862 fertig. Somit ist sie eine der letzten von den Hohenzollern im 19. Jahrhundert wieder aufgebauten Rheinburgen. Genutzt jedoch wurde sie selten, bis sie 1918 in Staatsbesitz kam und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Der Zweite Weltkrieg beraubte sie ihrer Einrichtung, diese wurde aber mustergültig ersetzt durch eine reichhaltige Sammlung an antikem Mobiliar, Gemälden, Stichen, Waffen und Rüstungen. Ihre romantische, fast intime Atmosphäre und der herrliche Ausblick lohnen den Besuch, werden aber durch den Betrieb im benachbarten Steinbruch arg geschmälert.

Die Heimburg, auch Burg Hoheneck genannt, wurde als kurmainzische Trutzburg zwischen 1296 und 1305 zum Schutz gegen die Pfalzgrafen erbaut. Die Burg liegt auf einem vergleichsweise niedrigen Felsen über dem Ort. Da sich Mainz dann aber 1344 doch gegen die Pfälzer durchsetzte, war sie eigentlich überflüssig. Dennoch wurde sie Mitte des 15. Jahrhunderts ausgebaut und zum Sitz eines Mainzer Amtsmannes. Das konnte ihr Schicksal aber nur verzögern, bald begann sie zu verfallen. Im Jahre 1689 wurde sie, man kann fast sagen aus Gewohnheit, zerstört. Viele Besitzerwechsel später kaufte sie Ende des 19. Jahrhunderts der Großindustrielle Hugo Stinnes, der sie als Sommersitz auf quadratischem Grundriss und in neugotischem Stil ausbauen ließ. Die Heimburg ist noch immer in Privatbesitz und nicht zu besichtigen.

Einen Kilometer weiter thront über dem kleinen Ort Rheindiebach inmitten von Weinbergen die Ruine Fürstenberg. An der Grenze zu Kurmainz gelegen, hatte sie große Bedeutung als Grenzverteidigung. 1219 unter dem Kölner Erzbischof Engelbert I. zur Sicherung seines Besitzes um Bacharach und des Zolls gegen die pfalzgräfliche Burg Stahleck erbaut, ging sie 1243 als erbliches Lehen an König Ludwig von Bayern aus dem Hause Wittelsbach. 1297 erhielt Mechthild, die Tochter König Adolfs, von Pfalzgraf Rudolf I. die Burg als Witwensitz, bis sie 1321 von Rudolfs Bruder Kaiser Ludwig gewaltsam vertrieben wurde. 1326 kam die Burg an Margareta von Holland, die Gemahlin Kaiser Ludwigs, 1410 zusammen mit dem Amt Bacharach an Kurpfalz. Während des Dreißigjährigen Krieges eroberte Ambrosio Spinola 1620 die Burg, bis er sie 1632 kampflos an König Gustav Adolf von Schweden übergab. 1689 folgte das Übliche, die Franzosen sprengten die Burg und hinterließen eine Ruine. Diese ging durch mehrere Hände, unter anderem die des Prinzen Friedrich der Niederlande und des Fürsten Wilhelm zu Wied, immer wieder wurde über einen Wiederaufbau nachgedacht, aber es kam nie dazu. 1912 erwarb die Weingroßhändlerfamilie Wasum aus Bacharach die Ruine und die dazu gehörigen Weinberge, 1973 ging sie an die Eigner der Kurpfalz-Sektkellerei in Speyer. Seit 1993 ist sie im Besitz der Familie Stelter. Sie wartet vielleicht noch immer auf eine neue, große Zeit, aber auch als malerische Ruine in herrlicher Lage kann sie begeistern.

 

(Textfassung aus »Der romantische Rhein« von Thomas Krämer, ©Rhein-Mosel-Verlag)


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